Rezension

Christina Henne „Der spanische Wasserhund“

Nach langer Zeit gibt es nun ein neues Buch das sich mit dem Perro de Agua Español beschäftigt.

Der erste Eindruck, durchaus positiv und ansprechend. Das Buch ist gut aufgemacht, das Cover spricht einen an, schön gestaltet, schöne Bilder und durch das gebundene Format sehr wertig.
Die Rückseite gibt einen kurzen Überblick, was uns darin erwartet. Beschreibung der Rasse, Wesen, der spanische Wasserhund als Familienhund und seine Beschäftigung sind die Themen. Außerdem zahlreiche Bilder von Lockenfröschen. Lockenfrösche???? Die Darstellung, Perros auf unterhaltsame Art und Weise, wie ich es mal nennen will, als Lockenfrösche zu bezeichnen,  o.K., also nicht nur der Perro de Agua Espanol, sondern auch Lockenfrösche sind das Thema. Vielleicht eine verwandte Art? So eine Art von Doodle?

Inhalt:
Kapitel 1 beschäftigt sich mit dem Ursprung der Rasse. An und für sich ein sehr interessantes Thema, aber sicher auch eines das aufwendige Recherche verlangt. Und genau daran scheitert das Buch von Tina Henne. Es werden  die allgemein bekannten und auf fast allen Internetseiten zu lesenden Theorien wiederholt, angereichert mit persönlichen Überlegungen und Vorstellungen, ohne diese jedoch als solche zu kennzeichnen. Es steckt wenig Recherche dahinter. Zum Beispiel schreibt Tina Henne „Vor allem in Andalusien kam der Perro gehäuft vor, da hier der größte Anteil an Hirten mit ihren Schafen anzutreffen war“ Auf welche Quelle bezieht sie sich? Von welcher Zeit ist die Rede? Offensichtlich wird hier von der Gegenwart zurück auf die Vergangenheit geschlossen. Nur weil JETZT die stärkste Verbreitung in Andalusien ist, bedeutet dies nicht zwangsläufig, dass dies immer so war. Interessanterweise wurden dem Perro in Cantabrien (Nordspanien) Denkmäler gesetzt. Er scheint dort also von großer Bedeutung gewesen zu sein. Von den Cantabrischen Perros schreibt Tina Henne ein paar Seiten weiter, dass diese eine dichtere Unterwolle besaßen, die sie vor der Kälte im Wasser schützten. Im ersten Moment scheint dies logisch nachvollziehbar. Es scheint sich jedoch auch um eine eigene Schlussfolgerung zu handeln, denn in manchen spanischen Büchern ist nachzulesen, dass der cantabrische Typ eher weniger Unterwolle hatte, so dass das Wasser besser aus dem Fell laufen konnte. Auch dies hat eine nachvollziehbare Logik. Bestätigt wurde uns das von einem Spanier aus der Region, der die Rasse seit seiner Kindheit kennt und auch engen Kontakt mit den dortigen Züchtern hat.

Die allseits bekannte Unterscheidung in die drei Typen wird aufgeführt und ihre Spezialisierung auf unterschiedliche Einsatzgebiete Hüten, Jagd und Fischerei, dargestellt. Im gleichen Atemzug wird dies jedoch als Begründung dafür angeführt, dass der Perro ein „waschechter Allrounder“ ist. Wenn eine Selektierung auf diese unterschiedlichen Einsatzgebiete stattfand, welche anzunehmen ist, waren diese Hunde keine Allrounder im eigentlichen Sinn.

„Zur Ära des Kohleabbaus wurden Perros auch in den Bergwerken eingesetzt. Hier trieben sie mit ihrem Gebell die Loren ziehenden Esel an, hielten die Stollen rattenfrei…..“ „es folgte die Zeit der Industrialisierung und dies war beinahe der Untergang der ……. Rasse. Als Helfer der Bauern und Fischer wurden sie nur noch selten genutzt, es kam die Zeit der Maschinen. Die Bergwerke wurden stillgelegt und Perros immer seltener gebraucht“. Richtig ist, die Perros wurden in den Bergwerken eingesetzt, sogar um die Loren zu ziehen, davon gibt es Fotos. Die Aussage jedoch, dass die Bergwerke zu Beginn der Industriellen Revolution geschlossen wurden ist per se schon völliger Unsinn,  da gerade zu dieser Zeit der Bedarf an Erze und Kohle extrem anstieg! Dies ist wieder ein Beispiel für die für dieses Buch typische Kombination von unabhängig gesehen richtigen Fakten in Zusammenhang gebracht mit ihren eigenen Mutmaßungen. Das Ergebnis ist bei logischer Betrachtung dann einfach unsinnig.

Kapitel 2 beschäftigt sich mit dem Aussehen. Hier lesen wir „Auch in den einzelnen Ländern gibt es Unterschiede. So finden sich z. B. in Schweden oft größere Perros mit kräftigem Knochenbau, während die den Hundesport Agility schätzenden Finnen meist kleinere, schlankere Hunde mit leichterem Knochenbau bevorzugen“. Hier wird wieder heftig verallgemeinert, sicher gibt es in Schweden große Perros, es finden sich aber auch kleine, genauso wie nicht alle Finnen mit eher zierlichen Perros ihre Zeit mit Agility verbringen.
Eine Seite weiter wird nochmal nachgelegt, indem die Theorie aufgestellt wird, eine Zucht die den Rassestandard einhält, würde zu einem Verschwinden der Vielfalt und womöglich von Farben führen. Im Rassestandard ist keine Einheitlichkeit verlangt, im Gegenteil ist dieser sehr weit gesteckt!

„Perros sind robuste, stämmige Hunde mit gut ausgebildeter Muskulatur. Ihre breite Brust lässt Platz für ein großes Lungenvolumen, das sie ausdauernd macht und manche von ihnen zu wahren Tauchkünstlern werden lässt.“ Der erste Satz entspringt der Festlegung im Rassestandard. Die Fortsetzung jedoch der Vorstellung der Autorin. Ein großes Lungenvolumen, ermöglicht durch breite Brust kann schwerlich Voraussetzung sein um große Ausdauer zu ermöglichen. Denn wie sollte es dann bei den sehr schlanken Windhunden funktionieren? Perros sind in der Lage bis zu fünf Meter zu tauchen, das können wir aus eigener Erfahrung bestätigen. Dafür ist jedoch kein überdurchschnittliches Lungenvolumen nötig, sondern eine hohe Sauerstoffsätigung des Blutes und vor allem ein starker Trieb!

Stichwort Farbvererbung. Auf Seite 20 können wir lesen, dass „zwei schwarze Elternteile können also auch braune, gescheckte, beige oder weiße Nachkommen haben“ sofern sie nicht reinerbig, also auf beiden Genorten schwarz, sind.
Richtig ist, sie können braune Nachkommen haben, da nicht reinerbig schwarz, sondern auch braun über das nicht sichtbare Gen vererbt wird. Gescheckte oder beige Nachkommen können jedoch auch aus zwei reinerbig schwarzen Eltern kommen! Scheckung und Beige wird über separate Genorte vererbt, nicht über den Genort der Farbe! Weiß ist übrigens eine Totalscheckung. Beige nicht! Dies wird im nächsten Satz in einen Topf geworfen.
Sorry, aber dies ist nicht „salopp oder vereinfacht“ gesagt, sondern schlicht und einfach falsch und sollte einer Züchterin nicht passieren!

Die weitern Kapitel beschäftigen sich mit allgemeinen Themen, nicht unbedingt auf den PDAE beschränkt, Beschäftigungsmöglichkeiten, Hundesport, Welpen und Ernährung.
Für diesen Bereich kann man eine durchaus brauchbare Qualität der Texte bestätigen. Sicher nicht unbedingt Informationen, die nicht auch in anderen Büchern zu finden sind, aber was hier vermittelt wird, ist durchaus schlüssig, jedoch damit zu werben, dass der Perro keinerlei Jagdtrieb hat, ist doch etwas an der Realität vorbei.

Noch kurz eine Anmerkung zum Kapitel 7, die Gesundheit der Rasse. Hier wird geschrieben, dass für die meisten Erbkrankheiten ein Gentest existiert. Das trifft nicht ganz zu, für manche Krankheiten gibt es einen Gentest, für manche wird versucht, einen zu entwickeln. Ob diese jedoch aussagekräftig sind, wird durch eine aktuelle Studie des Schäferhundevereins gerade zweifelhaft. Wird die Krankheit über nur einen Genort vererbt (PRA, NAD) funktioniert die Sache wohl, wird über mehrere Genorte vererbt (HD, Epilepsie) scheint dies noch nicht ausgereift zu sein. Bei der Überprüfung der genetischen HD Ergebnisse mit den tatsächlichen, durch Röntgenauswertung, ergab sich KEINE signifikante Übereinstimmung. Es wurden über 900 Hunde ausgewertet und auch die Lebens- und Aufzugsbedingungen berücksichtigt.
Gut ist, dass Tina Henne richtigerweise betont, dass eine alleinige Berücksichtigung des Innzuchtkoeffizienten nicht ausreicht, sondern der Ahnenverlustkoeffizient genauso wichtig ist und berücksichtigt werden muss, denn mit zwei ingezüchteten Eltern lässt sich sehr wohl ein niedriger IK erreichen, jedoch kein guter AK!

Was ist nun das Fazit?
Das Buch macht einen guten ersten Eindruck, durch seine schöne Gestaltung und wertige Aufmachung. Diese Qualität wird jedoch gerade in dem Teil, der sich mit der Rasse beschäftigt nicht gehalten. Es wird viel schöngeredet, wenig Faktenwissen. Der Perro wird bei Tina Henne ein wenig übertrieben als totaler Super-Alleskönner dargestellt. Selbst das Negative wird durch positives beschönigt.
Klar ist es nicht einfach und ein großer Aufwand hier wirklich richtige und verlässliche Informationsquellen zu finden. Begeisterung für die Rasse ist zwar Voraussetzung, aber leider nicht ausreichend.
Die Informationen im allgemeinen Teil sind durchaus zutreffend und auch, gerade für Hundeanfänger, hilfreich.
Das Buch bringt wirklich nichts Neues. Die eigentlichen Erwartungen an ein Buch über die Rasse werden leider nicht erfüllt. Wäre es ein allgemeines Buch für Hundeeinsteiger wäre die Wertung sicher besser.